Design

Ein Appell gegen die Eintönigkeit

Be different? Wenn man sich auf Pinterest oder Instagram umschaut, dann kann es schnell sein, dass man den Eindruck bekommt, es sieht alles gleich aus. Und ich spüre, wie ich selbst ab und zu in die Falle tappe, mich zu sehr von anderen Designs inspirieren zu lassen. Wie auch bei der Grafik zu diesem Post. Auch wenn ich mit solchen Elementen bereits vor Jahren und gefühlt vor dem Hype gearbeitet habe. Aktuell sieht man sie überall.

Ein Rückblick – mein Moodboard-Prozess

Dabei hatte ich vor einigen Jahren noch einen ganz anderen Ansatz in meinem Schaffensprozess. Meine Moodboards waren eine bunte Mischung aus allerlei Bildern und Fotos. Architektur, Natur, Menschen, Mode, Produkte, Mood-Shots, Grafik, Worte, Videos, … egal, was sich für mich stimmig anfühlte und was den Spirit, den Charakter der Marke abbildete, den ich versuchte visuell einzufangen.

Mich inspirieren all diese Dinge und sie erzeugen in meinem Kopf dann irgendwie eine Symbiose oder Assemblage (vermutlich die falschen Begrifflichkeiten hier) von einer Vision, die ich mir für ein Projekt vorstelle. Vielleicht ist das meine Superpower, vielleicht ist es auch gängig, oder aber auch total unverständlich für andere.

Ich habe meinen Moodboard-Prozess im Laufe der Zeit etwas gewandelt, da ich gemerkt habe, dass nicht jeder Kunde damit etwas anfangen kann. So wurden meine Moodboards immer konkreter. Tatsächliche Grafikstile, Logo-, Print- und Typo-Beispiele. Natürlich auch Gründe, warum wir diesen Weg für die Marke einschlagen können und was dahinter steckt, denn das Konzept hinter dem Visuellen war und blieb immer extrem wichtig bei allem.

The Problem with Moods

Doch was ist das Problem dabei? Man selbst, und auch der Kunde, schießt sich womöglich so sehr auf diese Beispiele ein, dass nur noch wenig Spielraum für Kreation, Um- und Weiterdenken gegeben ist.

Mein Ziel ist es immer, das dennoch zu schaffen, aber dabei setzt man sich durchaus ziemlich unter Druck und man „riskiert“, dass der Kunde enttäuscht ist, wenn das Ergebnis dann doch nicht 99% zu den präsentierten Beispielen passt.

Aber wie war das noch gleich mit dem Risiko? Nur mit einem gewissen Risiko ist es auch möglich zu wachsen und große Sprünge zu machen! 

“The riskiest risk you can take,
is to not take a risk at all.” — Chris Do


Ich sehe teilweise Moodboards, die ganz konkret abfragen, in welche Stilrichtung der Kunde sich das Design vorstellt. Undzwar so konkret, dass es nur ja keine Überraschungen mehr gibt. D. h. am besten wird genau die Schriftart übernommen und nur der Name ersetzt, oder so ähnlich.

Doch wo bleibt dabei die Individualität? Das überraschende Momentum, die Einzigartigkeit? (Okay, die gibt es vielleicht auch gar nicht mehr, aber zumindest dieses spezielle Etwas, das in Kombination mit deiner Persönlichkeit die Einzigartigkeit ausmacht.)

Be different – ein Dilemma unserer Zeit?

Es tut mir innerlich etwas weh und ich weiß, dass es schlichtweg nicht mehr möglich ist etwas absolut Neuartiges zu schaffen. Jedoch wäre es toll, wenn sich jeder (Designer und Kunde) manchmal – da, wo es passt – wieder etwas mehr trauen würde. Man darf anders sein als die Konkurrenz. Man darf auffallen. Und es muss nicht immer alles offensichtlich sein. Be different. 

Ich überlege, ob ich meine offeneren, vielfältigeren Moodboards wieder Teil meines Prozesses werden lasse. Ich mochte sie sehr gern und ich glaube, sie hatten einen gewissen Mehrwert, der mir erst jetzt bewusst wird.

Was denkst du? Als Designer: wie gehst du beim Gestalten bzw. im Step davor vor? Als Kunde: bist du offen für mehr Vielfalt? Be different.

Wie sich das Ganze im Zuge der One Concept Methode auswirkt, das ist nochmals eine ganz andere Geschichte.